Körperwissen von klein auf: Warum ein selbstbestimmtes Körpergefühl so wichtig ist
Intimmodell “Doris die Klitoris” von Glitterclit
Körperwissen, intime Anatomie, Sexualität - wäre es nicht grundlegend, wenn wir von klein auf ein freies, selbstverständliches Verhältnis zu unserem Körper entwickeln könnten?
Wenn Kinder früh lernen dürften, ihren Körper zu fühlen, zu entdecken, zu benennen und zu verstehen – ohne Scham, ohne Tabus, ohne Angst.
Nicht nur bezogen auf intime Körperteile, sondern auf den Körper als Ganzes und das, was sich darin und damit abspielt.
Körperwissen schafft Verständnis.
Verständnis schafft Sicherheit.
Und Sicherheit ist eine zentrale Grundlage für Selbstbestimmung.
Körperwissen statt Tabuisierung und Scham
In vielen gesellschaftlichen Kontexten wird der Körper früh funktionalisiert oder moralisiert. Intime Anatomie bleibt oft unausgesprochen, Sexualität wird problematisiert, und Gefühle im Körper werden nicht ernst genommen.
Dabei geht es bei sexueller Bildung nicht um „frühe Sexualisierung“, sondern um:
Wissen über den eigenen Körper
ein positives, realistisches Körpergefühl
Sprache für Empfindungen und Grenzen
das Bewusstsein für eigene Rechte
Kinder, die ihren Körper kennen, können besser benennen, was sich gut oder nicht gut anfühlt.
Und sie können eher Nein sagen - und gehört werden.
Körperwissen und Gewaltprävention gehören zusammen
Laut dem Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend “wird jede dritte Frau und weiblich gelesene Person mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt.” Häufig beginnen diese Erfahrungen bereits in der Kindheit oder im Jugendalter.
Auch im medizinischen Kontext sind Übergriffe Realität.
Gynäkologische Gewalt und Gewalt unter der Geburt sind dokumentierte Erfahrungen – laut dem Verein Motherhood betrifft dies derzeit etwa jede dritte Frau oder gebärende Person in Deutschland.
Sexuelle Bildung und Körperwissen sind daher nicht nur pädagogische Themen, sondern aktive Gewaltprävention.
Denn Prävention beginnt früh:
mit Sprache für den Körper
mit dem Wissen um Grenzen
mit der Erlaubnis, Nein zu sagen
mit dem Vertrauen in die eigene Wahrnehmung
Warum sexuelles Lernen ein lebenslanger Prozess ist
Körperwissen endet nicht in der Kindheit. Es begleitet uns durch alle Lebensphasen:
als Kinder und Jugendliche
als Erwachsene
in Partnerschaften
während Schwangerschaft
rund um Geburt
und auch danach
Ein selbstbestimmter Zugang zum eigenen Körper verändert, wie wir Entscheidungen treffen – medizinisch, emotional und relational.
Wissen ist hier kein abstraktes Konzept.
Wissen ist Handlungsfähigkeit.
Wissen ist Macht - auch im eigenen Körper
In meiner Arbeit und als Mutter von vier Kindern erlebe ich immer wieder, wie grundlegend Körperwissen für Selbstvertrauen, Beziehung und Gesundheit ist.
Je besser wir unseren Körper verstehen, desto eher können wir:
informierte Entscheidungen treffen
Grenzen kommunizieren
Verantwortung übernehmen
uns selbst ernst nehmen
Das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene.
Körperwissen, Sprache und sexuelle Bildung - im Gespräch vertieft
Aus genau diesem Grund habe ich gemeinsam mit Noa Lovis Peifer und Linu Lätitia Blatt vom queerfeministischen Glitterclit Collective eine Podcast-Episode aufgenommen.
In dieser Episode sprechen wir über:
Körperwissen und sexuelle Bildung von klein auf
Gewaltprävention durch Sprache und Aufklärung
warum es so wichtig ist, Worte für unseren Intimbereich zu haben
und wie Wissen über intime Anatomie Selbstbestimmung stärkt